* * *
„Schätzchen, so geht das nicht!“
„Was geht nicht wieso? Und nenn mich nicht Schätzchen, Schatzerl!“
„Geh, du Wiena Madl. Das ist nicht mehr mein Stück!“
„Ach nein? Und warum trägt dann diese Polizistin deinen zweiten Vornamen? Du mit deiner Eitelkeit! Du Lieselotte, die du gern eine schillernde Alma wärst! Hahaha!“
„Das ist nicht mehr mein Stück, ich sag es noch einmal.“
„Isses auch nicht. Unser Stück. Unser gemeinsames Stück. Der Intendant wird -“
„Der Intendant wird gar nix, wenn ich das Stück zurück ziehe. So ein Stuss verlässt den Schreibtisch nicht.“
„Was hast du zu mäkeln?“
„Kaukasisch, Moskau, Weißrussland, was denn nun? Weißt du wenigstens, wer Kramer auf dem Gewissen hat?“
„Klar. Ich weiß immer, was ich schreibe. Olga natürlich.“
„Und das Motiv?“
„Sie hat ihn gehasst. Zuviele Männer haben sie abserviert. Einmal war es genug.“
„So. Das können wir nicht spielen -“
„Und Beata?“
„Was ist mit ihr?“
„Sie probt seit zwei Wochen die Alma!“
„Aber nur das halbe Stück, weil wir uns über den Fortgang der Handlung nicht eins sind. Wegen dir und deinen Marotten. Erst eine Alma, dann Jo ...“
„Kommt noch soweit, dass die Premiere abgesagt werden muss!“
„Na und. An allem ist der Gänsekiel schuld.“
„Was für ein Gänsekiel?“
„Den Alma und Jo in dieser Agentur finden.“
„Ein Gänsekiel?!“
„Mit dem Olga den Wolf die Augen ausgestochen hat.“
„Das führt zu weit.“
„Finde ich auch. Sowas tut höllisch weh und kann tödlich sein.“
„Nein.“
„Was, nein?“
„Deine Idee führt zu weit!“
„Ich entziehe dir das Du-Wort, wenn du mit mir nicht an einem Strang ziehst! Wir wurden gemeinsam vom Bürgermeister -“
„Vom Burgamasta?“
„Vom Bürgermeister. Zur Ehrung der verdienten Bezirksvorsteher sollte ein eigenes Stück aufgeführt werden.“
„Bei der kein Wolf anwesend ist.“
„Und keine Olga.“
„Nur das Burg-Ensemble.“
„Burgtheater, Burgamaster – Alma, was wird hier gespielt?“
„Der Wolf ist tot. Oder sollte ich besser sagen: Die Wölfin ist tot?“
Mit einer schwungvollen Geste zog sie zwischen den Falten ihres dramatisch gerafften roten Kleides eine lange, schwarze Rabenfeder hervor.
„Tut mir leid, was Anderes war nicht aufzutreiben.“ Und während die Andere noch vor lauter Staunen die Augen aufriss, stach Alma mit voller Wucht zu. Ende der Debatte. Draußen wartete die Regisseurin. „Erledigt. Jetzt kannst du fertig inszenieren.“ Mit der blutigen Feder signierte Alma in roten, geschwungenen Buchstaben den Papierstapel vor ihr: Der Wolf ist tot. Theaterstück in einem Akt. Von Alma Rabe.
Dienstag, 3. Februar 2009
Montag, 2. Februar 2009
Rufmord-Krimi Folge 2
"Der Wolf ist tot"
2. Folge
Folge Brummelnd stauchte Jo seine ein Meter fünfundneunzig zusammen, um sich in sein Cabrio zu sortieren. Er zog einen Laptop unterm Beifahrersitz hervor und huschhusch, hatte sich der Junge via Funk oder sonstwas ins Internet eingeloggt. Die Tasten machten ein leises Klickergeräusch. Endlich hatte er die Adresse der Agentur ausfindig gemacht. Es gab tatsächlich ein Büro mitten in Wien, im Zentrum sogar, unweit des Parlaments. Eine goldblonde Dame mittleren Alters öffnete ihnen. Sie stellte sich sperrig wie ein Wachhund in die glänzend braun gestrichene, doppelflügelige Tür. „Sie wünschen?“
„Kriminalpolizei. Wir untersuchen einen Mord. Können wir reinkommen?“
„Bitte.“ Zögerlich gab die Frau die Tür frei. Aufgeblasene Wangen, oder war es nur ein schlecht sitzendes künstliches Gebiss? Der hellrosa Lippenstift stand ihr jedenfalls nicht besonders. „Wenn Sie meinen ...“
„Jawoll, wir meinen.“ Jo Karzer folgte Alma Gerbach.
„Und Sie sind?“
„Johanna Gmeiner. Ich leite die Agentur in Wien.“
Neugierig sahen sich die Ermittler in dem altmodisch eingerichteten Büro um. Die Möbel sahen gediegen aus. „Kaffee?“
„Nein -“
„Ja -“ Jo und Alma sahen sich an.
„Ich bring Ihnen Wasser“, die Blonde sah sie mitleidig an. Sie kam mit geschliffenen Bleikristallgläsern und einer ebensolchen Karaffe zurück. Das Wasser gluckerte, als sie einschenkte.
„Sie arbeiten allein hier?“ Jo griff nach dem Wasserglass. „In diesen weitläufigen Räumen?“
„Ich führe die Agentur mit meiner Schwester, die gerade auf Kundenterminen unterwegs ist. Aber ich wüßte nicht, was Sie das angeht.“
Die Polizisten ließen die Frage unkommentiert. „Wir kommen, um etwas über eine Russin zu erfahren, mit der Wolf Kramer liiert gewesen sein soll.“
„Unsere Geschäftsbeziehungen unterliegen der Verschwiegenheit, das sind wir unseren Kunden und den Mitarbeiterinnen schuldig.“
„Wovor haben Sie Angst? Als Senioren-Puff aufzufliegen?“ polterte Alma Gerbach. Hoffentlich beeindruckte sie diese indifferente Dame einmal, deren betuliches Schönbrunnerdeutsch ihr immer mehr auf die Nerven ging.
„Meine Kollegin meint das nicht so“, Jo Karzer hatte das Spielchen Guter Bulle-Böser Bulle hervorragend gelernt. Die Tante grinste ihn erwartungsgemäß an. „Ist Ihre Kollegin immer so rabiat?“
„Ja, die ist so. Da kann man nichts machen.“ Alma spürte, wie sich Jo ein Grinsen verkniff. Guter Schauspieler, alle Achtung. „Wir brauchen auch nur die Infos über diese Russin, Ihr Laden interessiert uns nicht.“
„Nur ein bisschen, die Visafrage zum Beispiel.“
„Aber Frau Kollegin, das macht doch die Fremdenpolizei.“
„Stimmt, hätte ich beinahe vergessen.“
Die Lady schien das alberne Spiel wirklich nicht zu durchschauen. Lachhaft.
„Sie meinen sicher Olga, eine charmante junge Dame. Sie hat den Herrn Bezirksvorsteher Kramer, einen netten Herrn übrigens, bei einem Empfang im Rathaus kennengelernt. Der Bürgermeister persönlich ehrte die erfolgreichsten Bezirkspolitiker. Dazu brauchten sie natürlich auch charmanten weiblichen Aufputz. Wir haben da geholfen. Olga kommt aus Russland, müssen Sie wissen. Da läßt man sich von dem Glanz hier im Westen beeindrucken. Eigentlich hatte ihr ein verrückter Fengshui-Typ was von Deutschland vorgeschwärmt. Sie wollte schon immer weg von daheim. Kein Wunder, bei dem Leben im tiefsten Kaukasus, das sie führte.“
„Ach so?“
„Ja, wegen einer Clan-Fehde war sie nach Moskau geflüchtet. Ein dunkles Familiengeheimnis. Man hat ihr mit dem Umbringen gedroht. Sie wurde die Geliebte eines deutschen Vorstandsvorsitzenden, dessen Unternehmen in Moskau eine Filiale eröffnete. Er konnte sie gut benötigen, um für ihn und sein Unternehmen zu spionieren. Sie war vom Regen in die Traufe geraten. Den Fengshuimann lernte sie während der Spionage kennen, er schien mit irgendwelchen geheimnisvollen Kristallen zu handeln. Er war beauftragt, den nach seinen komischen Prinzipien richtigen Ort für einen neuen Golfplatz im Umland von Moskau zu finden. Und dann den Platz auch zu gestalten. Was weiß ich. Ich kenn mich mit dem Esoterikzeugs nicht aus, ich hätte mich an Olgas Stelle an den Vorstandsvorsitzenden gehalten. Aber Olga wandte sich dem glitzernden Hokuspokus-Mann zu, weil er zunächst nett zu ihr war. Doch auch er enttäuschte sie, indem er einfach von der Bildfläche verschwand. Olga machte sich Sorgen um ihn. Emil, so hieß er - angeblich. Wieviel von der Geschichte stimmt, keine Ahnung. Olga hat sie jedenfalls meiner Kollegin in Minsk vorgeheult. Sie wollte Emil suchen. Persönlich. Also haben wir uns um die entsprechenden Visa und so weiter gekümmert. Mit einem Schengenvisum kann man dann ja weiter.“
„Olga und wie noch?“
„Wie meinen Sie?“
„Der Familienname! Ist das so schwer!“ Alma knallte das teure Glas auf den ebenso teuren Holztisch. „Geht das jetzt ein bisschen dalli oder -“
„Da muss ich erst nachsehen in der Kartei. Diese slawischen Namen, einer hört sich an wie der andere.“
Jo und Alma sahen sich an, als die Agenturchefin verschwunden war. Hoffentlich war das kein Trick! Hörte man da nicht jemand reden, eine Männerstimme? Hatte die Alte am Ende ein paar arbeitslose frühere KGB-Agenten als Bodyguards engagiert?
2. Folge
Folge Brummelnd stauchte Jo seine ein Meter fünfundneunzig zusammen, um sich in sein Cabrio zu sortieren. Er zog einen Laptop unterm Beifahrersitz hervor und huschhusch, hatte sich der Junge via Funk oder sonstwas ins Internet eingeloggt. Die Tasten machten ein leises Klickergeräusch. Endlich hatte er die Adresse der Agentur ausfindig gemacht. Es gab tatsächlich ein Büro mitten in Wien, im Zentrum sogar, unweit des Parlaments. Eine goldblonde Dame mittleren Alters öffnete ihnen. Sie stellte sich sperrig wie ein Wachhund in die glänzend braun gestrichene, doppelflügelige Tür. „Sie wünschen?“
„Kriminalpolizei. Wir untersuchen einen Mord. Können wir reinkommen?“
„Bitte.“ Zögerlich gab die Frau die Tür frei. Aufgeblasene Wangen, oder war es nur ein schlecht sitzendes künstliches Gebiss? Der hellrosa Lippenstift stand ihr jedenfalls nicht besonders. „Wenn Sie meinen ...“
„Jawoll, wir meinen.“ Jo Karzer folgte Alma Gerbach.
„Und Sie sind?“
„Johanna Gmeiner. Ich leite die Agentur in Wien.“
Neugierig sahen sich die Ermittler in dem altmodisch eingerichteten Büro um. Die Möbel sahen gediegen aus. „Kaffee?“
„Nein -“
„Ja -“ Jo und Alma sahen sich an.
„Ich bring Ihnen Wasser“, die Blonde sah sie mitleidig an. Sie kam mit geschliffenen Bleikristallgläsern und einer ebensolchen Karaffe zurück. Das Wasser gluckerte, als sie einschenkte.
„Sie arbeiten allein hier?“ Jo griff nach dem Wasserglass. „In diesen weitläufigen Räumen?“
„Ich führe die Agentur mit meiner Schwester, die gerade auf Kundenterminen unterwegs ist. Aber ich wüßte nicht, was Sie das angeht.“
Die Polizisten ließen die Frage unkommentiert. „Wir kommen, um etwas über eine Russin zu erfahren, mit der Wolf Kramer liiert gewesen sein soll.“
„Unsere Geschäftsbeziehungen unterliegen der Verschwiegenheit, das sind wir unseren Kunden und den Mitarbeiterinnen schuldig.“
„Wovor haben Sie Angst? Als Senioren-Puff aufzufliegen?“ polterte Alma Gerbach. Hoffentlich beeindruckte sie diese indifferente Dame einmal, deren betuliches Schönbrunnerdeutsch ihr immer mehr auf die Nerven ging.
„Meine Kollegin meint das nicht so“, Jo Karzer hatte das Spielchen Guter Bulle-Böser Bulle hervorragend gelernt. Die Tante grinste ihn erwartungsgemäß an. „Ist Ihre Kollegin immer so rabiat?“
„Ja, die ist so. Da kann man nichts machen.“ Alma spürte, wie sich Jo ein Grinsen verkniff. Guter Schauspieler, alle Achtung. „Wir brauchen auch nur die Infos über diese Russin, Ihr Laden interessiert uns nicht.“
„Nur ein bisschen, die Visafrage zum Beispiel.“
„Aber Frau Kollegin, das macht doch die Fremdenpolizei.“
„Stimmt, hätte ich beinahe vergessen.“
Die Lady schien das alberne Spiel wirklich nicht zu durchschauen. Lachhaft.
„Sie meinen sicher Olga, eine charmante junge Dame. Sie hat den Herrn Bezirksvorsteher Kramer, einen netten Herrn übrigens, bei einem Empfang im Rathaus kennengelernt. Der Bürgermeister persönlich ehrte die erfolgreichsten Bezirkspolitiker. Dazu brauchten sie natürlich auch charmanten weiblichen Aufputz. Wir haben da geholfen. Olga kommt aus Russland, müssen Sie wissen. Da läßt man sich von dem Glanz hier im Westen beeindrucken. Eigentlich hatte ihr ein verrückter Fengshui-Typ was von Deutschland vorgeschwärmt. Sie wollte schon immer weg von daheim. Kein Wunder, bei dem Leben im tiefsten Kaukasus, das sie führte.“
„Ach so?“
„Ja, wegen einer Clan-Fehde war sie nach Moskau geflüchtet. Ein dunkles Familiengeheimnis. Man hat ihr mit dem Umbringen gedroht. Sie wurde die Geliebte eines deutschen Vorstandsvorsitzenden, dessen Unternehmen in Moskau eine Filiale eröffnete. Er konnte sie gut benötigen, um für ihn und sein Unternehmen zu spionieren. Sie war vom Regen in die Traufe geraten. Den Fengshuimann lernte sie während der Spionage kennen, er schien mit irgendwelchen geheimnisvollen Kristallen zu handeln. Er war beauftragt, den nach seinen komischen Prinzipien richtigen Ort für einen neuen Golfplatz im Umland von Moskau zu finden. Und dann den Platz auch zu gestalten. Was weiß ich. Ich kenn mich mit dem Esoterikzeugs nicht aus, ich hätte mich an Olgas Stelle an den Vorstandsvorsitzenden gehalten. Aber Olga wandte sich dem glitzernden Hokuspokus-Mann zu, weil er zunächst nett zu ihr war. Doch auch er enttäuschte sie, indem er einfach von der Bildfläche verschwand. Olga machte sich Sorgen um ihn. Emil, so hieß er - angeblich. Wieviel von der Geschichte stimmt, keine Ahnung. Olga hat sie jedenfalls meiner Kollegin in Minsk vorgeheult. Sie wollte Emil suchen. Persönlich. Also haben wir uns um die entsprechenden Visa und so weiter gekümmert. Mit einem Schengenvisum kann man dann ja weiter.“
„Olga und wie noch?“
„Wie meinen Sie?“
„Der Familienname! Ist das so schwer!“ Alma knallte das teure Glas auf den ebenso teuren Holztisch. „Geht das jetzt ein bisschen dalli oder -“
„Da muss ich erst nachsehen in der Kartei. Diese slawischen Namen, einer hört sich an wie der andere.“
Jo und Alma sahen sich an, als die Agenturchefin verschwunden war. Hoffentlich war das kein Trick! Hörte man da nicht jemand reden, eine Männerstimme? Hatte die Alte am Ende ein paar arbeitslose frühere KGB-Agenten als Bodyguards engagiert?
Freitag, 30. Jänner 2009
Voila: Der Rufmord-Krimi
Wie sich manch jemand erinnert, schrieb ich dereinst (... vor Monaten) das Gewinnspiel "Rufmord" aus. Hier ist nun das Ergebnis - erste Folge.
Der Wolf ist tot.
von Anni Bürkl
*Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert oder sonstwie verbreitet werden.*
Wolf, so nannte sich der erzrote Bezirkschef gern. Eine gewisse Anwandlung von Größenwahn konnte man dem sozialistischen Politiker nicht absprechen. Bezirkskaiser Wolf hieß in Wirklichkeit Wolfgang Kramer, wie ein Kramertandler. Von solchen stammte er auch ab, Kleinstgewerbetreibende, fahrende Händler - aber das war eine andere, gut versteckte Geschichte. Heute war der Wolf Bezirksvorsteher von Wien Margareten und - tot.
Ein junger Wahlkampfhelfer fand ihn, wie er glaubte bewusstlos, nach einigem Suchen auf der Reinprechtsdorfer Straße. Der Wolf war nicht zur vereinbarten Uhrzeit am Siebenbrunnenplatz erschienen, um Autogramme zu geben. Also hatte er sich Sorgen gemacht.
Entnervt trafen die Mitglieder der Mordkommission ein. In Vorwahlzeiten durfte man einen öffentlichen Tod nicht auf die leichte Schulter nehmen, mochte es auch nur um einen Politiker der unteren Ränge gehen. Wolf war so öffentlich gestorben, wie er gelebt hatte: Mitten auf einer der verkehrsdurchbraustesten Straßen Wiens. Auf der einstigen Geschäftsstraße blühte nur mehr der Charme der Siebzigerjahre. Der letzte modische Schrei von circa anno 1976 vergilbte in den Auslagen neben den Produkten türkischer Bäcker und Kebabverkäufer.
Und jetzt lag der Wolf tot da, aus den Augen blutend. -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Verblutet, wie es aussieht“, Revierinspektor Alma Gerbach seufzte, während sie sich die roten Haare aus dem verschwitzten Gesicht strich.
Wahlkampf in neoliberalen Zeiten“, murmelte Inspektor Jo Karzer, ihr sogenanntes Beiwagerl, „so kann es enden! Du kennst sicher seine Wahlslogans? Mehr privat, weniger Staat. Es ist nicht Aufgabe des Staates, die Menschen zu einem konservativen Liebesleben anzuhalten.“
"Ja, da war etwas mit einer gescheiterten Ehe, nicht wahr?“
"Genau. Er hat seine Heirat mit einer zwanzig Jahre jüngeren Ballkönigin genauso medienwirksam inszeniert wie die bald darauf folgende Scheidung. Selbst die Gerichtsakten waren öffentlich bekannt, denen zufolge Wolfgang Kramer seine nunmehrige Ex-Frau brutal geschlagen haben sollte. Wer dieses Wissen der Presse zugespielt hat, weiß man nicht.“
"Und dann erschien diese Russin auf der Bildfläche.“
"Chef, Sie wissen lauter halbe Sachen. Er hat sich in eine blutjunge Moskauerin verguckt. Die jobbte offiziell als Altenbetreuerin. Eine Agentur mit Firmensitz in Weißrussland kümmert sich um alles, damit die Mädchen hier arbeiten und unseren Pflegenotstand etwas erleichtern können. In Wirklichkeit, munkelt man, arbeiten die jungen Frauen als Hostessen für alte Männer, die ihr Heim nicht mehr verlassen können und dennoch Spass haben möchten. Soll ein wahnsinnig gutes Geschäft mit wachsender Klientel sein.“ Jos schwarze Augen funkelten erregt.
"Du bist Polizist, Mann, reiß dich zusammen! Oder willst du umsatteln auf Hostess? Gibt’s das überhaupt in männlich?“
"Geh, Chef, woher soll ich das wissen.“
"Na also. Als erstes wird diese Dame befragt. Wo finden wir sie?“
"Woher soll ich das wissen?“
„Wozu bist du mein Assistent?“
„Immer auf die Kleinen!“
„Dann such wenigstens diese eigenartige Agentur.“
„Jaja.“
----Fortsetzung folgt ----
Der Wolf ist tot.
von Anni Bürkl
*Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert oder sonstwie verbreitet werden.*
Wolf, so nannte sich der erzrote Bezirkschef gern. Eine gewisse Anwandlung von Größenwahn konnte man dem sozialistischen Politiker nicht absprechen. Bezirkskaiser Wolf hieß in Wirklichkeit Wolfgang Kramer, wie ein Kramertandler. Von solchen stammte er auch ab, Kleinstgewerbetreibende, fahrende Händler - aber das war eine andere, gut versteckte Geschichte. Heute war der Wolf Bezirksvorsteher von Wien Margareten und - tot.
Ein junger Wahlkampfhelfer fand ihn, wie er glaubte bewusstlos, nach einigem Suchen auf der Reinprechtsdorfer Straße. Der Wolf war nicht zur vereinbarten Uhrzeit am Siebenbrunnenplatz erschienen, um Autogramme zu geben. Also hatte er sich Sorgen gemacht.
Entnervt trafen die Mitglieder der Mordkommission ein. In Vorwahlzeiten durfte man einen öffentlichen Tod nicht auf die leichte Schulter nehmen, mochte es auch nur um einen Politiker der unteren Ränge gehen. Wolf war so öffentlich gestorben, wie er gelebt hatte: Mitten auf einer der verkehrsdurchbraustesten Straßen Wiens. Auf der einstigen Geschäftsstraße blühte nur mehr der Charme der Siebzigerjahre. Der letzte modische Schrei von circa anno 1976 vergilbte in den Auslagen neben den Produkten türkischer Bäcker und Kebabverkäufer.
Und jetzt lag der Wolf tot da, aus den Augen blutend. -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Verblutet, wie es aussieht“, Revierinspektor Alma Gerbach seufzte, während sie sich die roten Haare aus dem verschwitzten Gesicht strich.
Wahlkampf in neoliberalen Zeiten“, murmelte Inspektor Jo Karzer, ihr sogenanntes Beiwagerl, „so kann es enden! Du kennst sicher seine Wahlslogans? Mehr privat, weniger Staat. Es ist nicht Aufgabe des Staates, die Menschen zu einem konservativen Liebesleben anzuhalten.“
"Ja, da war etwas mit einer gescheiterten Ehe, nicht wahr?“
"Genau. Er hat seine Heirat mit einer zwanzig Jahre jüngeren Ballkönigin genauso medienwirksam inszeniert wie die bald darauf folgende Scheidung. Selbst die Gerichtsakten waren öffentlich bekannt, denen zufolge Wolfgang Kramer seine nunmehrige Ex-Frau brutal geschlagen haben sollte. Wer dieses Wissen der Presse zugespielt hat, weiß man nicht.“
"Und dann erschien diese Russin auf der Bildfläche.“
"Chef, Sie wissen lauter halbe Sachen. Er hat sich in eine blutjunge Moskauerin verguckt. Die jobbte offiziell als Altenbetreuerin. Eine Agentur mit Firmensitz in Weißrussland kümmert sich um alles, damit die Mädchen hier arbeiten und unseren Pflegenotstand etwas erleichtern können. In Wirklichkeit, munkelt man, arbeiten die jungen Frauen als Hostessen für alte Männer, die ihr Heim nicht mehr verlassen können und dennoch Spass haben möchten. Soll ein wahnsinnig gutes Geschäft mit wachsender Klientel sein.“ Jos schwarze Augen funkelten erregt.
"Du bist Polizist, Mann, reiß dich zusammen! Oder willst du umsatteln auf Hostess? Gibt’s das überhaupt in männlich?“
"Geh, Chef, woher soll ich das wissen.“
"Na also. Als erstes wird diese Dame befragt. Wo finden wir sie?“
"Woher soll ich das wissen?“
„Wozu bist du mein Assistent?“
„Immer auf die Kleinen!“
„Dann such wenigstens diese eigenartige Agentur.“
„Jaja.“
----Fortsetzung folgt ----
Montag, 26. Jänner 2009
Jetzt, wo es ein paar Aufträge gut abgeschlossen oder am Fertigwerden sind, wende ich mich heute endlich dem Rufmord-Krimi zu. Ein Rohtext lag ja schon vor, doch ich kam zeitbedingt nicht zur weiteren Ausarbeitung.
Schließlich hatte ich Aufträge zu erledigen, selbst dann, als alle plötzlich Ferien machten. ;-) Dazu sind immer wieder Dinge zu tun für meinen Kriminalroman, der im Sommer 09 beim Gmeiner Verlag erscheinen wird. Und am Wochenende unterrichtete ich wieder einmal eine sehr nette Romanwerkstatt.
Aber heute, nach der Yogastunde, ist die Zeit reif für einen - natürlich nur auf dem Papier hingemeuchelten - Rufmord.
Nochmals der Hinweis: Das Wichtigste über mich und mein Schaffen flattert Ihnen ganz automatisch via Newsletter ins Postfach. Kurz, handlich, übersichtlich. Damit Sie keinen Workshop oder keine Lesung mehr versäumen.
Schließlich hatte ich Aufträge zu erledigen, selbst dann, als alle plötzlich Ferien machten. ;-) Dazu sind immer wieder Dinge zu tun für meinen Kriminalroman, der im Sommer 09 beim Gmeiner Verlag erscheinen wird. Und am Wochenende unterrichtete ich wieder einmal eine sehr nette Romanwerkstatt.
Aber heute, nach der Yogastunde, ist die Zeit reif für einen - natürlich nur auf dem Papier hingemeuchelten - Rufmord.
Nochmals der Hinweis: Das Wichtigste über mich und mein Schaffen flattert Ihnen ganz automatisch via Newsletter ins Postfach. Kurz, handlich, übersichtlich. Damit Sie keinen Workshop oder keine Lesung mehr versäumen.
Donnerstag, 15. Jänner 2009
Jan Palachs Selbstverbrennung
Am 16. Jänner jährt sich zum 40. Mal der Tag, an dem sich der tschechische Student Jan Palach selbst verbrannte. Er tat dies aus Protest gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt-Straßen, die 1968 den sogenannten Prager Frühling blutig niedergeschlagen hatten. Mit der Absetzung Alexander Dubceks, an dessen Stelle in der Parteiführung Gustav Husak trat, begann die schleichende Zeit der sogenannten Normalisierung ... eine Zeit der Angst.
Das deutschsprachige Radio Praha dazu:
Das deutschsprachige Radio Praha dazu:
Die damalige Propaganda versuchte naturgemäss die Motive für Palachs Tat zu verschweigen, den Studenten als einen psychisch gestörten Menschen darzustellen, oder wollte weismachen, er hätte sich zu der Tat nicht aus freien Stücken entschieden. So war z.B. in den Tagen kurz nach dem Tod Palachs in den amtlichen Tageszeitungen zu lesen, Palach sei - Zitat "das Opfer von antisozialistischen Kräften geworden, die ihm anstatt einer ungefährlichen speziellen Flüssigkeit für Lichteffekte Benzin untergeschoben haben".Übrigens: Im Herbst 2009 wird es 20 Jahre her sein, dass die kommunistischen Regime Mittelosteuropas fielen ... in den meisten Ländern friedlich, wie man nicht aufhören kann, zu betonen. Für jene, die dieser Generation Europa angehören, den Leuten, die damals jung waren, eine höchst emotionale Erinnerung. Jedes Mal, wenn ich einfach so, nur mit gültigem Pass, eine Grenze überschreite ... Denn das ging auch ganz anders.
(...)
Vor 35 Jahren bewegte das Schicksal von Jan Palach insbesondere die Generation der 20- bis 40jährigen, die in der Tat des Studenten auch den Ausdruck ihrer eigenen enttäuschten Hoffnungen nach einer offeneren Gesellschaft sahen, die nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Panzer in die Tschechoslowakei auf einmal zerstört wurden.
(...)Dennoch läutete der Jahrestag von Palachs Tat im Januar 1989, also genau zwanzig Jahre danach, auf Grund der vielen Protestkundgebungen, die von der Polizei brutal unterdrückt wurden, fast schon symbolisch den Anfang vom Ende der kommunistischen Herrschaft ein. Ist darin im Nachhineit ein Zufall der Geschichte zu sehen? Abschließend kommt noch einmal der Philosophieprofessor Jan Sokol zu Wort:"Nein, das war kein Zufall, war aber vom Standpunkt her gesehen ein klares Zeichen der Lage des Regimes, das es nicht mehr schaffte wie früher Proteste einfach zu unterdrücken. Das haben die damals nicht mehr geschafft und es war ein Zeichen für den Zustand des Regimes. Und selbstverständlich hat das viele Leute mobilisiert gerade deswegen, weil sie sahen, dass das Aussicht auf Erfolg hatte."
Abonnieren
Posts (Atom)
