Dienstag, 3. Februar 2009

Rufmord-Krimi, 3. (und letzte) Folge

* * *

„Schätzchen, so geht das nicht!“
„Was geht nicht wieso? Und nenn mich nicht Schätzchen, Schatzerl!“
„Geh, du Wiena Madl. Das ist nicht mehr mein Stück!“
„Ach nein? Und warum trägt dann diese Polizistin deinen zweiten Vornamen? Du mit deiner Eitelkeit! Du Lieselotte, die du gern eine schillernde Alma wärst! Hahaha!“
„Das ist nicht mehr mein Stück, ich sag es noch einmal.“
„Isses auch nicht. Unser Stück. Unser gemeinsames Stück. Der Intendant wird -“
„Der Intendant wird gar nix, wenn ich das Stück zurück ziehe. So ein Stuss verlässt den Schreibtisch nicht.“
„Was hast du zu mäkeln?“
„Kaukasisch, Moskau, Weißrussland, was denn nun? Weißt du wenigstens, wer Kramer auf dem Gewissen hat?“
„Klar. Ich weiß immer, was ich schreibe. Olga natürlich.“
„Und das Motiv?“
„Sie hat ihn gehasst. Zuviele Männer haben sie abserviert. Einmal war es genug.“
„So. Das können wir nicht spielen -“
„Und Beata?“
„Was ist mit ihr?“
„Sie probt seit zwei Wochen die Alma!“
„Aber nur das halbe Stück, weil wir uns über den Fortgang der Handlung nicht eins sind. Wegen dir und deinen Marotten. Erst eine Alma, dann Jo ...“
„Kommt noch soweit, dass die Premiere abgesagt werden muss!“
„Na und. An allem ist der Gänsekiel schuld.“
„Was für ein Gänsekiel?“
„Den Alma und Jo in dieser Agentur finden.“
„Ein Gänsekiel?!“
„Mit dem Olga den Wolf die Augen ausgestochen hat.“
„Das führt zu weit.“
„Finde ich auch. Sowas tut höllisch weh und kann tödlich sein.“
„Nein.“
„Was, nein?“
„Deine Idee führt zu weit!“
„Ich entziehe dir das Du-Wort, wenn du mit mir nicht an einem Strang ziehst! Wir wurden gemeinsam vom Bürgermeister -“
„Vom Burgamasta?“
„Vom Bürgermeister. Zur Ehrung der verdienten Bezirksvorsteher sollte ein eigenes Stück aufgeführt werden.“
„Bei der kein Wolf anwesend ist.“
„Und keine Olga.“
„Nur das Burg-Ensemble.“
„Burgtheater, Burgamaster – Alma, was wird hier gespielt?“
„Der Wolf ist tot. Oder sollte ich besser sagen: Die Wölfin ist tot?“
Mit einer schwungvollen Geste zog sie zwischen den Falten ihres dramatisch gerafften roten Kleides eine lange, schwarze Rabenfeder hervor.
„Tut mir leid, was Anderes war nicht aufzutreiben.“ Und während die Andere noch vor lauter Staunen die Augen aufriss, stach Alma mit voller Wucht zu. Ende der Debatte. Draußen wartete die Regisseurin. „Erledigt. Jetzt kannst du fertig inszenieren.“ Mit der blutigen Feder signierte Alma in roten, geschwungenen Buchstaben den Papierstapel vor ihr: Der Wolf ist tot. Theaterstück in einem Akt. Von Alma Rabe.

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